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Vom Estrich zum Erlös — systematisch aufräumen und Geld machen

Der typische Schweizer Estrich oder Keller enthält Waren im Wert von 2000 bis 8000 Franken — wenn man weiss, was man hat und wie man es loswird. Aber die meisten geben auf, weil das Projekt zu gross wirkt. Diese Methode teilt es in vier überschaubare Wochenenden auf.

Wochenende 1: Sichten und Kategorisieren

Erste Regel: nichts wegwerfen, nichts inserieren. Du sortierst nur. Bereite drei Bereiche vor — am besten mit Klebeband markiert oder mit Kisten beschriftet:

  • «Sicher verkaufen» — Sachen, von denen du weisst, dass sie etwas wert sind
  • «Recherchieren» — alles, bei dem du den Wert nicht einschätzen kannst
  • «Entsorgen oder verschenken» — defekt, billig im Neuzustand, niemand würde das kaufen

Plane 4–6 Stunden ein. Mach Pausen alle 90 Minuten. Ziel: jedes Objekt einmal in die Hand genommen und einer Kategorie zugeordnet zu haben.

Faustregel zum Aussortieren: Wenn du das Objekt in den letzten drei Jahren nicht gebraucht hast und es niemanden gibt, der es kostenlos haben möchte, geht es ins Entsorgen.

Wochenende 2: Recherche und Bewertung

Jetzt nimmst du die «Recherchieren»-Kategorie und gehst sie systematisch durch. Für jedes Objekt:

  1. Marke, Modell und Zustand notieren
  2. Auf zwei bis drei Schweizer Marktplätzen nachschlagen, was vergleichbares aktuell kostet
  3. Realistischen Preis schätzen (Mittelwert der gefundenen Inserate minus 10 %)
  4. Entscheiden: lohnt sich der Aufwand zu inserieren?

Schwellenwert: alles unter 25 Franken erzieltem Verkaufspreis lohnt sich nicht einzeln zu inserieren. Diese Sachen entweder zu einem Sammel-Inserat bündeln («Konvolut Werkzeug» oder «Box Bücher») oder verschenken oder in einem Brockenhaus abgeben.

Plane wieder 4–6 Stunden. Am Ende des Wochenendes hast du eine Inseratsliste mit geschätztem Gesamterlös.

Wochenende 3: Fotografieren und Inserieren

Der entscheidende Tag. Räume einen kleinen Bereich frei — eine helle Ecke des Estrichs oder einen Tisch im Garten — als Fotostudio. Idealerweise mit hellem, neutralem Hintergrund (eine weisse Wand, ein Holztisch).

Methode: alle Objekte aus der Verkaufsliste der Reihe nach fotografieren. Mindestens fünf Fotos pro Objekt. Notiere dir während des Fotografierens drei bis fünf Stichworte zu jedem Stück — Zustand, Eigenheiten, was du noch erwähnen willst. Das spart später Schreibzeit.

Nach dem Fotografieren: alle Inserate hintereinander schreiben. Verwende die KI-Unterstützung, wenn die Plattform sie bietet — sie spart pro Inserat 5–10 Minuten. Beim Inserieren gleich auch Übergabezeit-Fenster nennen (z.B. «Abholung Werktag abends oder Samstag Vormittag»).

Wochenende 4: Übergaben organisieren

Wenn deine Inserate Mitte der zweiten Woche online gingen, hast du jetzt typischerweise 3–8 ernsthafte Anfragen. Beantworte alle innerhalb von 24 Stunden — schnelle Antwort ist der grösste Verkaufsfaktor.

Bündele Übergaben: wenn drei Käufer in der gleichen Stadt sind, vereinbare drei aufeinanderfolgende Termine am gleichen Nachmittag. Das spart dir Anfahrtszeit und macht es ökonomisch sinnvoll, auch für kleinere Verkäufe.

Was sich überraschenderweise verkauft

Aus tausenden Estrich-Aufräumaktionen lassen sich folgende Muster beobachten:

  • Alte Werkzeuge (Hobel, Hämmer, Bohrmaschinen) — handwerklich oft besser als heutiges Billig-Werkzeug, hat Sammlerwert
  • Vintage-Schallplatten — je nach Genre 5–50 Franken pro Stück, Jazz und Klassik in gutem Zustand auch deutlich mehr
  • Alte Reisetaschen und Koffer (Samsonite, Rimowa, Globe-Trotter) — Vintage-Stücke verkaufen sich überraschend gut
  • Spielzeug der 80er und 90er — Lego-Sets, Game-Boy-Spiele, alte Barbie-Sammlungen
  • Bücher mit Sammlerwert — vor 1990 erschienene Erstausgaben oder spezielle Editionen
  • Bekleidung von verschwundenen Schweizer Marken (alte Calida-Modelle, Mammut-Klassiker)

Was Geld kostet statt bringt

Damit wir realistisch bleiben: nicht alles im Estrich ist Gold. Folgende Kategorien kosten dich Zeit ohne Erlös:

  • Alte Röhrenfernseher und Stereoanlagen ohne Markenname — keine Nachfrage, Entsorgung ist gratis
  • Generisches Geschirr und Besteck — höchstens als Konvolut
  • Reklame-Artikel (Tassen, T-Shirts, Stoffbeutel mit Logos)
  • Defekte Elektronik älter als 5 Jahre
  • Bücher aus Buchclubs (Bertelsmann, Reader's Digest) — kein Markt

Erwartbares Endergebnis

Ein durchschnittlicher Schweizer Haushalts-Estrich erbringt mit dieser Methode 2500–6000 Franken Bruttoerlös bei einem Zeitinvestment von 24–32 Stunden (vier Wochenenden plus Übergaben). Das entspricht 80–200 Franken pro Stunde — ohne Steuerabzug, da Privatverkäufe in der Schweiz steuerfrei sind.

Der wichtigste Tipp: Mach es zu zweit. Egal mit wem — Partner, Freund, Geschwister. Allein gerät man entweder ins Trödeln (alle Stücke werden zu lange begutachtet) oder ins Überfordertsein. Zu zweit dauert das gleiche Projekt nur 60 % der Zeit und ist mental viel leichter.